Theater

DAKAR-Produktion

Hin ist hin.

Hin ist hin.

Eine theatrale Collage für Puppen und Menschen frei nach dem Roman „Der ewige Spiesser“ von Ödön von Horváth.

In dieser bemerkenswerten Aufführung gelingt den Schauspielerinnen und Schauspielern ein Zusammenspiel von Menschen und Puppen in großer Dichte. Es ist die Zeit der Weltwirtschaftskrise im vorigen Jahrhundert mit Armut und Verzweiflung, mit Betrug und Prostitution aber auch mit Hoffnung und Träumen. Das Leben der kleinen Leute wird auf die Bretter des Varietés geholt in all seiner Schäbigkeit, mit schwarzem Humor und Wiener Schmäh. Das Leben ist hässlich, das vermitteln die übergroßen Köpfe der Puppen mit eigentümlicher Eindringlichkeit. Die Puppen werden von den Schauspielern mit Leichtigkeit zum Leben erweckt, ja sie sind Teil der Puppen, in die sie hinein- und aus denen sie herausschlüpfen. Mal Puppe, mal Mensch, mal beides: der Wechsel von einer Rolle in die andere geschieht in rasantem Tempo. Die Maskenhaftigkeit der Pappmaschee-Gesichter, die von den Schauspielern zum Sprechen gebracht werden, verstärkt das Gefühl von unabänderlichem Schicksal. Die Jury ist der Meinung, dass gerade auf diese Weise die tragisch-komischen Horváth-Texte eine besondere Intensität entwickeln. Geschickt wird die Aufführung von Varieté-Elementen umrahmt. Ein schriller Herr lädt ins Kabarett „Zum ewigen Spießer“. Da werden alte Schellack-Platten aufgelegt, da wird gesungen, getanzt und gezaubert, auf der Säge gespielt und die Frau ohne Unterleib vorgeführt. Bis ins kleinste Detail stimmen die Requisiten, Kartenspiele, Zigaretten und Kleider. Das Leben ist eine große Zauberkiste und am Ende zerplatzen alle Träume. Bemerkenswert bei dieser Inszenierung auf kleinstem Raum sind auch die tanzenden Schiebewände und Rollelemente, die einer eigenen Choreografie folgen und damit die Szenenwechsel gekonnt in das Spiel integrieren. Am Schluss wundert sich manch einer, dass sich nur zwei Frauen und ein Mann verbeugen. Gefühlt waren es viel mehr.

(Laudatio, 1. Preis der Jury Heidelberger Theatertage)

Spiel: Delia Dahinden, Anna Karger, Lukas Roth

Endregie: Dorothee Metz

www.dakar-produktion.ch

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