
«Herr Stauss malt ein Bild und unser Haus ist auch drauf»: Mit diesem Stück der Toggenburger Autorin Rea Brändle wagte sich das Chössi Theater 2009 an seine erste Eigenproduktion. Das Schauspiel über den avantgardistischen Gestalter Traugott Stauss (1898–1952) wurde mit Laien und zwei professionellen Schauspielern besetzt. Beflügelt von der erfolgreichen Premiere brachte die Garde der Laien seither fast jedes Jahr ein Stück zur Aufführung – mit Titeln wie «Töchter des Robin Hood» oder „Die Heiratsvermittlerin». Sie werden noch weitere Pfeile in ihrem Köcher haben…
mit Simon Keller: Regie und künstlerische Leitung
und Alexander Stutz: Autor und Dramaturgie
Spind’l … Sp’ich’r — Still‘ Ist ein dokumentarisch-fiktionales Klang- und Körperarchiv über das, was nicht vergehen will: Lärm, der sich in die Knochen schreibt. Worte, die sich in den Wänden eingenistet haben. Träume, die nie geträumt werden durften. Ein Raum, der schweigt und doch voll ist von Erinnerungen, Gefühlen und Geschichten, die darauf warten, gehört und sichtbar gemacht zu werden.
Im Zentrum stehen junge Frauen, sogenannte «gefallene Mädchen», die in den 50er- und 60er-Jahren in Heime eingewiesen und gezwungen wurden, in den Textilfabriken zu arbeiten. Unter dem scheinbaren Deckmantel von Fürsorge und Schutz entfaltete sich ein System aus Überwachung, Ausbeutung und Schweigen, das diese jungen Leben prägte. Zwischen den Wänden der Heime und den Hallen der Fabriken verbergen sich Stimmen, die lange unsichtbar und unbeachtet blieben, doch deren Nachklang bis heute nachwirkt. Das Stück legt sich auf die Lauer, dringt ein in die stillen Risse im Gewebe der Geschichte und spinnt eine verbindende Linie von damals bis in die Gegenwart. Es stellt die Fragen: Wo beginnt Gewalt? Wer erzählt ihre Geschichte? Und vor allem: Wie klingt sie, wenn man endlich aufmerksam und mit offenem Herzen zuhört? Dabei öffnet es einen Raum für das Unausgesprochene und fordert das Publikum dazu heraus, sich mit der Last der Vergangenheit und deren Nachwirkungen auseinanderzusetzen.
Spind’l … Sp’ich’r — Still‘ ist eine sensible und zugleich eindringliche Annäherung an verdrängte Biografien, an weibliche Körper im Schatten der Industrie und an all das, was nicht länger still sein will. Es ist eine Reise in das Schweigen, das gesprochen werden muss, in die Stimmen, die gehört werden wollen, und in die Erinnerung, die nicht verloren gehen darf.
Professionell geleitete Eigenproduktionen bieten theaterbegeisterten Laienschauspieler:innen die Möglichkeit, neue Impulse zu erhalten und sich intensiv mit einer Thematik auseinanderzusetzen. Bei der Auswahl des Stücks wird darauf geachtet, dass jede mitwirkende Person eine sinnvolle und passende Rolle übernehmen kann. Im Mittelpunkt stehen Themen, die entweder zeitlos oder gesellschaftlich aktuell sind, häufig mit einem realen oder fiktiven Bezug zur Region. Die Inszenierungen sollen dem Publikum neue Perspektiven auf das gewählte Thema eröffnen und zum Nachdenken anregen.
Für die Eigenproduktion 2026 arbeitet das Chössi Theater mit jungen talentierten Kunstschaffenden. Für die Regie und künstlerische Leitung konnte Simon Keller gewonnen werden, während Alexander Stutz als Autor und Dramaturg das Projekt bereichert.
«Spind’l … Sp’ich’r – Still’» (2026)
«Change – Zukunft made in Toggenburg (2024)
tigg-tagg-toggenburg (2021)
«Die Heiratsvermittlerin» (2019)
«Oktober im Mai» (2017)
«TOP DOGS» (2015)
«TELL A CRIME STORY» (2014)
«Tischlein deck dich» (2013)
«Sommernacht-Traum» (2912)
«Bon Voyage» (2011)
«Töchter des Robin Hood» (2010)
«Herr Stauss malt ein Bild und unser Haus «ist auch drauf» (2009)